ams 26/1979 Vergleichstest Opel Rekord 2.0E Opel Commodore C 2.5S


Der bessere Kauf

 

Opel Rekord 2.0E und Commodore 2.5S: Wer bietet mehr?

Wir bemühen uns, für jeden Geschmack das richtige Auto an­zubieten", sagt Hellmut-Pe­ter Clauss, Pressechef der Adam Opel AG in Rüssels­heim.

 

Ein löblicher Grundsatz, doch hat das daraus resul­tierende, eng gestufte Opel-Programm auch eine Neben­wirkung: Es sorgt für Kon­kurrenz in den eigenen Rei­hen.

 

Besonders deutlich wird dies am Beispiel des Opel Re­kord 2.0 E und des Commo­dore. Sie liegen, was die Leistung angeht, fast gleich­auf, und sie

kosten beide annähernd das gleiche: Ein viertüriger Rekord mit Vier­zylinder-Einspritzmotor und L-Aus-stattung steht mit 18410 Mark in den Preis­listen, der Commodore, der in der Grundversion über einen ganz ähnlichen Aus-stattungsumfang verfügt, ist mit 18350 Mark sogar etwas billiger.

 

Dafür bekommt man zwar keine Benzineinspritzung, wohl aber einen halben Liter mehr Hubraum und zwei zu­sätzliche Zylinder. Ist der billigere Commo-dore des­halb das ins-gesamt bessere Angebot?

Karosserie: nur äußer­liche Unterschiede

Menschen, die Wert auf au­tomobiles Prestige legen, sind mit dem Commodore zunächst besser bedient. Denn im Bewußtsein des Publikums rangiert dieses Modell über dem Rekord - auch wenn dessen Heck der Schriftzug 2.0 E ziert.

 

Daß das so ist - dafür sorgt in erster Linie die verlän­gerte Frontpartie, die den Commodore optisch in die Nähe des teureren Senator rückt. Da die Langschnauze freilich nicht wie beim gro­-ßen Opel mit einem vergrö-ßerten Radstand kombi-­

niert wurde, hat man davon an­sonsten nichts: Beide Mo­delle bieten exakt das glei­che Platzangebot, das vorne recht großzügig ausfiel, wäh­rend der Knieraum im Fond keine hohen Ansprüche er­füllen kann.

 

Auch sonst tut der Commo­dore im Innenraum durch nichts kund, daß er nobler sein will, und das ist auch gut so, denn an der Gestal­tung des Interieurs gibt es wenig auszusetzen. Die Sitze sind bequem, die In­strumente lassen sich gut ab­lesen, und die Bedie-nungshebel wurden leicht erreich­bar angeordnet.


Unterschiedlich gestaltete Frontpartien: Opel Commodore 2.5S und Opel Rekord 2.0E

Motor: sparsamer

im Rekord

 

Ein Plus an Inneren Werten kommt dem Commodore-Käufer In dieser Beziehung also nicht zugute — diese zeigen sich erst, wenn man die Motorhaube öffnet. Denn darunter sind 2,5 Liter Hub­raum, verteilt auf sechs Zylin­der, zu finden; die Leistung beträgt 115 PS (85 kW) bei 5200/mln.

 

Viel schwächer Ist allerdings auch der zwei Liter große Vierzylinder des Rekord nicht: Er bringt es bei 5400/ min auf 110 PS (81 kW) ­ein recht geringer Leistungs­unterschied, der zudem durch das niedrigere Gewicht des Rekord teilweise ausge-

Vorzüge

Opel Rekord 2.0 E

Sehr gute Beschleuni-

    gung und hohe Höchst-

    geschwin­digkeit

Sehr gute Handlichkeit

Relativ niedriger Benzin­-

    verbrauch

Günstige Unterhalts-

    kosten

Neutrales Fahrverhalten

    im Kurvengrenzbereich

 

Opel Commodore 2.5S

Niedriger Innengeräusch­-

    pegel

gli­chen wird. Da jedoch der Sechszylinder ein deutlich kräftigeres Dreh­moment bereitstellt, ist man mit ihm zumindest theore­tisch besser bedient. Tat­sächlich zeigt

sich die grö­ßere Maschine denn auch eine Spur durch-zugskräfti­ger: Wenn der Com-modore im vierten Gang ab 40 km/h beschleunigt wird, benötigt er nur 18,2 Sekun-den, um die 100 km/h-Marke zu über­schreiten, wäh-rend sich der Einspritz-Rekord 18,7 Se­kunden Zeit läßt.

 

Wenn der Fahrer jedoch flei­ßig schaltet und die vorhan­denen Drehzahlreserven voll ausnutzt, wendet sich das Blatt zugunsten des Ein­spritz-Rekord: Von 0 auf 100 km/h beschleunigt er in 10,7 Sekunden, der Commodore braucht 11,7 Sekunden. Auch im oberen Geschwindigkeits­bereich werden die Differen­zen deutlich spürbar: Bis 160 km/h nimmt der Rekord sei­nem größeren Bruder immer­

hin 3,4 Sekunden ab. Bleibt das Gaspedal weiter­hin am Bodenbrett, hat der Rekord endgültig die Nase vorn. Er erreichte eine Höchstge-schwindigkeit von über 180 km/h, während es der Commodore, dessen Motor im oberen Drehzahl­bereich kraftlos und zäh wirkt, mit 176,5 km/h bewen­den ließ.

 

Zudem darf man nicht er­war-ten, daß sechs Zylinder auto-matisch für eine be­trächtlich bessere Laufkultur sorgen. Denn der Vierzylin­der des Rekord gehört eben­falls zu den zivilisierten Ge­sellen - er nuschelt im un­teren und mit-tleren Dreh­zahlbereich un-auffällig vor sich hin und gibt erst ober­halb von 5000/min einen recht recht kräftigen Brummton von sich.


Rekord: übersichtliche Armaturen

Rekord: übersichtliche Armaturen

Commodore: anders geformtes Lenkrad

Commodore: anders geformtes Lenkrad

Rekord: ausreichender Knieraum im Fond

Rekord: ausreichender Knieraum im Fond

Commodore: Knieraum wie im Rekord

Commodore: Knieraum wie im Rekord


Eine akustische Plage ist er also nicht, doch zeigen die Meßwerte klar, daß man im Commodore mit einem ins­gesamt etwas geringeren In­nengeräuschpegel rechnen kann. Dafür reagiert der Rekord besser auf Gaspedal bewegungen und wirkt deshalb agiler.

 

Als zusätzlicher Vorteil ist schließlich zu vermerken,

daß man mit spürbar weni­ger Benzin gleichschnell un­terwegs ist wie mit dem grö­ßeren Sechszylinder. Spe­ziell im Stadtverkehr läßt es sich der Commodore gut schmecken, aber auch auf Landstraßen und auf der Autobahn leert er seinen Tankinhalt erheblich zügiger als der Rekord, der sich dank Einspritzanlage relativ sparsam gibt.

Fahrwerk:

Rekord handlicher

Daß der Commodore kein kleiner Senator, sondern eher ein groBer Rekord ist zeigt seine Fahrwerks-Konstruktion. Denn Opel verzichtete auf den Einbau einer teuren Schräglenker-hinterachse und sah, genau wie beim Rekord, ein starres Aggregat vor. (unten weiter)

zu lösen geben. Immerhin läßt sich aber nicht übersehen, daß der Sechs-zylinder des Commodore mehr Gewicht auf die Vorderachse bringt als der Rekord-Vierzylinder. Die Fol-ge ist, daß der Commo-dore nicht so spielerisch handlich wirkt wie der Rekord und besonders in engen Kurven und bei Nässe stärker zum Untersteuern neigt.


So herrscht grundsätzliche Übereinstimmung, und dies allein ist schon Gewähr dafür, daß keine sehr unterschied-lichen Eigenschaften zu ver-zeichnen sind.

 

Beide Opel-Modelle zählen zu den sehr fahrsicheren Autos, die ihrem Piloten dank ihres leicht untersteuernden bis neutralen Fahrverhaltens in schnell gefahrenen Kurven keine ernsthaften Probleme

Fazit: Der Commodore bietet gegenüber dem stärksten Rekord keine entscheidenden Vorzüge. Sein Sechszylinder wartet mit einer nur geringfügig besseren Laufkultur auf, wirkt aber wegen seines schlechteren Ansprechens auf Gaspedalbewegungen und seiner geringeren Drehfreudigkeit weniger temperamentvoll als der Einspritzmotor des Rekord.

 

Zudem verbraucht er relativ viel Benzin, wäh-rend der Rekord angesichts seiner guten Fahr-leistungen als zeitgemäß sparsam gelten kann.

 

Abgesehen vom größeren Repräsentationswert spri-cht also wenig für den Commodore — auch wenn die meisten Opel-Käufer dies offensichtlich anders sehen.In diesem Jahr kon-nte Opel bis Ende September 23.976 Com-modore in der Bundes-republik ab-setzen, der Rekord 2.0 E spielt dagegen innerhalb der Rekord-Palette eher eine Außenseiterrolle: Für ihn entschieden sich im gleichen Zeitraum nur 7.141 Kunden. G. L.